Benutzt du das Falsche Stativ? – Gitzo Traveler vs. Systematic Giant

Ein gutes Stativ ist mehr als nur eine Halterung für die Kamera – es ist ein entscheidender Faktor für Bildqualität, Effizienz und Workflow. Besonders in der professionellen Fotografie kann die Wahl des richtigen Stativs Zeit sparen, kreative Möglichkeiten erweitern und die Sicherheit der Ausrüstung gewährleisten. Ich arbeite seit über 15 Jahren als Architekturfotograf und habe auf meinen Produktionen sehr viele Stative ausprobiert. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass es nicht das eine perfekte Stativ gibt, sondern dass die Wahl vom Einsatzzweck abhängt. In diesem Blogpost vergleiche ich zwei der besten professionellen Stative auf dem Markt: das Gitzo Traveler Series 2 und das Gitzo Systematic Series 5 Giant. Beide gehören zur absoluten Spitzenklasse – doch sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Welches dieser Premium-Modelle passt zu deinem Workflow? Lohnt sich für dich ein leichtes Reisestativ, oder solltest du direkt auf ein massives, unerschütterliches Stativ setzen?

Schauen wir uns das genauer an.

Warum ich Gitzo vertraue – Meine Erfahrungen mit High-End Stativen

Es gibt das bekannte Sprichwort: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Seit ich professionell fotografiere, habe ich immer versucht, das beste Equipment zu kaufen, das ich mir irgendwie leisten konnte. Ein gutes Stativ ist eine Investition, die weit über den Lebenszyklus einer Kamera oder eines Objektivs hinausgeht. Ich habe über die Jahre hinweg verschiedene Marken getestet – von Manfrotto, Feisol, Peak Design und Benro. Doch bei Verarbeitungsqualität, Handling und Langlebigkeit kommt kein anderes Stativ an Gitzo heran. Jedes Mal, wenn ich meine Kamera auf ein Gitzo-Stativ setze, weiß ich, dass ich mich darauf verlassen kann. Ich muss mir keine Sorgen machen, ob es stabil genug ist oder ob es unter den rauen Bedingungen eines langen Shooting-Tags nachgibt. Und das ist für mich als Fotograf ein seltener Moment: eine Ausrüstungsentscheidung, bei der ich keine Zweifel habe, ob es vielleicht noch eine bessere Lösung gibt. Nach Jahren der Nutzung bin ich mir sicher: Diese Stative werden mich über Jahrzehnte hinweg begleiten – und sie waren eine Investition, die sich mehr als ausgezahlt hat.

Gitzo Traveler Series 2 bei der Produktion meiner Fotoserie “Modern Alpine Architecture”

Gitzo Traveler Series 2 – Das perfekte Reisestativ?

Wenn du oft unterwegs bist, weißt du, wie wichtig es ist, leichtes und kompaktes Equipment dabei zu haben. Ein Stativ sollte dich nicht ausbremsen, sondern dir helfen, schneller und effizienter zu arbeiten. Genau hier kommt das Gitzo Traveler Series 2 ins Spiel. Dieses Stativ kostet rund 560 € und bietet mit vier Segmenten ein kompaktes Packmaß von nur 44,5 cm. Damit passt es in einen Handgepäck-Koffer oder an jeden gängigen Kamerarucksack – perfekt für Fotografen, die viel reisen oder ihr Equipment den ganzen Tag über tragen. Mit nur 1,3 kg Gewicht ist es extrem leicht, gleichzeitig aber mit 155cm hoch genug, um auch für größere Fotografen komfortabel zu sein. Ich bin 1,86 m groß und kann mit diesem Stativ fast aufrecht stehen, was meinen Rücken auf langen Shooting-Tagen enorm schont. Trotz seiner Leichtigkeit ist es enorm belastbar: Mit einer Maximalladung von 12 kg kannst du problemlos eine technische Kamera mit Mittelformat-Rückteil, Filtersystem, Blitzauslöser und iPad montieren – ohne Instabilität oder Nachgeben. Das Gitzo Traveler G-Lock System macht das Arbeiten mit diesem Stativ besonders effizient. Mit einer einzigen Handbewegung kannst du alle Beinsegmente eines Beins gleichzeitig entsperren und ausfahren – das spart Zeit und sorgt für einen extrem schnellen Aufbau. Selbst nach vier Jahren intensiver Nutzung und zahlreichen Trips quer durch Europa funktioniert dieses System noch einwandfrei. Keine Kratzer beim Ausfahren, kein Lockern der Beine – das spricht für die Verarbeitungsqualität. Ein weiteres Highlight ist die Stabilität. Ich habe schon viele Carbon-Stative getestet, aber das Gitzo Traveler Serie 2 dämpft Vibrationen außergewöhnlich gut. Besonders wenn ich auf einer Brücke fotografiere, während Autos oder Züge vorbeifahren, oder wenn starker Wind am Stativ zieht, bleibt das Bild stabil. Im Vergleich zu meinem ebenfalls hochwertigen Peak Design Carbon-Stativ ist das ein riesiger Unterschied. Die Beine des Gitzo haben einen größeren Durchmesser, was das Stativ insgesamt steifer und stabiler macht.

Wann nutze ich das Gitzo Traveler Series 2:

  • Architekturfotografie auf Solo-Shoots: Ich fotografiere oft große Gebäude aus duzenden Winkeln an einem einzigen Tag. Dabei bin ich ständig in Bewegung – das Gewicht meines Equipments macht einen riesigen Unterschied. Das Traveler Series 2 ist dabei mein verlässlicher Begleiter.

  • Reise- und Outdoor-Aufnahmen: Wenn ich auf hohe Berggipfel steige, zählt jedes Gramm. Dieses Stativ ist leicht genug, um es überallhin mitzunehmen, ohne dass es stört – sogar beim Klettern an steilen Felswänden.

  • Langzeitbelichtungen auf Reisen: Wenn ich meine Kamera über Nacht für einen Zeitraffer auf einem Berggipfel stehen lasse, stabilisiere ich das Stativ mit einem Gewichtsbeutel gefüllt mit Steinen oder Wasserflaschen. So bleibt es selbst bei plötzlichen Windböen sicher stehen.

  • Langzeitprojekte – Dresden in 10.000 Bildern: Ich habe dieses Stativ für mein Projekt “Dresden in 10.000 Bildern” genutzt, bei dem ich täglich 15-20 km durch die Stadt gelaufen bin, um die gesamte Stadt aus jedem möglichen Blickwinkel zu dokumentieren.

Das Gitzo Traveler Series 2 ist für mich das perfekte Stativ für unterwegs – leicht, schnell aufgebaut, extrem stabil für seine Größe und dabei langlebig. Aber was, wenn du ein Stativ brauchst, das nicht nur stabil, sondern absolut unerschütterlich ist? Dann kommt das Gitzo Systematic Series 5 Giant ins Spiel.

Das Gitzo Systematic Series 5 Giant widersteht auch starkem Wind im Hochgebirge

Gitzo Systematic Series 5 Giant – Das unerschütterliche Arbeitstier

Manchmal braucht man nicht nur ein stabiles, sondern ein unverwüstliches Stativ. Wenn du mit schwerer Kameraausrüstung arbeitest, Langzeitbelichtungen machst oder Composite-Aufnahmen erstellst, dann brauchst du ein Stativ, das unter keinen Umständen wackelt oder sich auch nur einen Millimeter bewegt. Genau dafür gibt es das Gitzo Systematic Series 5 Giant. Dieses Stativ gehört mit einem Preis von rund 1.400 € zur absoluten High-End-Klasse und ist wohl eines der höchsten Stative mit klassischem Design auf dem Markt. Mit einer maximalen Höhe von 280 cm kannst du damit über Menschenmengen oder parkende Autos hinweg fotografieren – eine Perspektive, die mit normalen Stativen einfach nicht möglich ist. Natürlich hat diese Stabilität ihren Preis: Das Stativ wiegt 3,6 kg und hat ein Packmaß von 73 cm – also definitiv nichts, was man sich einfach mal schnell in den Rucksack steckt. Dafür bekommst du aber eine unvergleichliche Stabilität. Die äußersten Beinsegmente haben einen Durchmesser von über 4 cm, was sie extrem verwindungssteif und belastbar macht. Laut Hersteller trägt das Stativ bis zu 42 kg – aber ich kann mich mit meinen 85 kg daran hängen, und die G-Lock Ultra Verschlüsse geben nicht nach. Ein weiteres Highlight sind die riesigen Tellerfüße, die für maximalen Halt auf unterschiedlichsten Untergründen sorgen.

Maximale Flexibilität durch das modulare System

Die Gitzo Systematic Serie ist so konzipiert, dass du sie an deine individuellen Anforderungen anpassen kannst. Ich nutze mein Series 5 mit einer Geared Center Column, die mir zusätzliche 40 cm Auszugshöhe gibt und sich per Kurbel millimetergenau einstellen lässt. Gerade in der Architekturfotografie ist diese Präzision extrem wertvoll. In Kombination mit einem Getriebeneiger-Stativkopf kann ich meine Kamera exakt ausrichten, ohne das Stativ unnötig zu verschieben. Im Vergleich zur Traveler Serie hat das Systematic Giant eine viel größere Basisplatte, wodurch die Verbindung zwischen Stativ und Stativkopf noch stabiler ist. Zusätzlich gibt es viele Erweiterungsmöglichkeiten wie Half-Bowls für professionelle Videoköpfe oder einen Adapter für eine horizontale Mittelsäule. Allerdings muss ich ehrlich sein. Ich verändere meinen Stativaufbau während eines Shootings nie – deshalb habe ich mir diese Optionen nicht angeschafft. Ein weiteres Feature ist der seitliche 3/8-Zoll-Anschluss für Zubehör wie Magic Arms. Klingt praktisch – aber leider fehlt hier eine Arretierung wie bei ARRI Loc, wodurch sich die Zubehörteile langsam lösen können. Eine tolle Idee, die in der Praxis aber nicht gut durchdacht wurde.

Wann nutze ich das Gitzo Systematic Series 5 Giant?

  • Composite Photography & Interieur-Shootings: Wenn ich Hotelzimmer fotografiere, nehme ich oft mehrere Belichtungen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen auf und setze sie später zu einem perfekten Bild zusammen. Hier darf sich das Stativ über eine Stunde keinen Millimeter bewegen, auch wenn Assistenten, Stylisten und Kunden sich um das Set herum bewegen.

  • Langzeitbelichtungen & Dämmerungsaufnahmen: Bei Architekturaufnahmen zur blauen Stunde lasse ich das Stativ oft über eine Stunde auf dem Gehweg stehen und suche mir aus einer Serie von Langzeitbelichtungen das beste Bild heraus. Ich achte dann von der anderen Straßenseite darauf, dass das Stativ nicht gestohlen oder umgerannt wird.

  • Maximale Arbeitshöhe für außergewöhnliche Perspektiven: Mit der Mittelsäule ausgefahren komme ich auf eine Aufnahmehöhe von über 3 Metern. Das ist perfekt, um über parkende Autos hinweg oder über Menschenmengen hinweg zu fotografieren. Allerdings brauche ich dafür eine Leiter, um die Kamera auszurichten – also nichts für spontane Einsätze.

Das Gitzo Systematic Giant ist extrem stabil, vielseitig und ideal für Langzeitaufnahmen oder schwere Kameras. Aber das Gewicht und die Größe machen es nur dann sinnvoll, wenn du es nicht selbst tragen musst oder nur kurze Strecken zurücklegst. Für alles, was mobil und schnell sein muss, ist das Gitzo Traveler Serie 2 die deutlich bessere Wahl.

Sturmfront über den Italienischen Alpen

Traveler vs. Systematic – Welches Stativ du wann benutzen solltest

Am Ende kommt es nicht darauf an, welches Stativ „besser“ ist – sondern welches besser zu deinem Workflow passt. Beide Gitzo-Stative sind absolute High-End-Produkte und auf Langlebigkeit, Stabilität und höchste Verarbeitungsqualität ausgelegt. Doch sie bedienen ganz unterschiedliche Einsatzzwecke.

Wann du das Gitzo Traveler Series 2 wählen solltest

  • Du bist viel unterwegs und willst ein Stativ, das leicht und kompakt genug ist, um es immer dabeizuhaben.

  • Du fotografierst allein und bewegst dich viel zwischen verschiedenen Locations, z. B. bei einem Architekturfotoshooting, bei dem du ein Gebäude aus verschiedenen Winkeln festhältst.

  • Du brauchst eine gute Balance aus Stabilität und Mobilität, ohne dabei auf hochwertige Verarbeitung zu verzichten.

  • Du möchtest dein Stativ in einem Handgepäck-Koffer oder an einem Rucksack befestigen können.

Wann du das Gitzo Systematic Series 5 Giant wählen solltest

  • Stabilität steht bei dir an erster Stelle und du brauchst ein Stativ, das sich nicht bewegt – selbst bei Wind, Verkehr oder langen Belichtungen.

  • Du arbeitest mit schwerem Equipment, z. B. einer Mittelformatkamera, einem Gimbal, Slider oder einer Fachkamera.

  • Du machst regelmäßig Langzeitbelichtungen oder Composite-Fotografie, bei denen dein Stativ über Stunden exakt an der gleichen Stelle bleiben muss.

  • Du hast keine weiten Strecken zu Fuß zurückzulegen oder kannst dein Stativ im Auto transportieren.

  • Du willst aus extrem hohen Perspektiven fotografieren, z. B. über Menschenmengen oder Hindernisse hinweg.

Fazit – Welches Stativ passt besser zu dir?

Ich nutze das Gitzo Traveler Series 2 für ca. 70 % meiner Shootings, weil ich oft alleine unterwegs bin und effizient, leicht und mobil arbeiten muss. Wenn ich aber absolute Stabilität brauche, etwa bei Langzeitbelichtungen oder aufwendigen Composite-Aufnahmen, dann ist das Systematic Giant unschlagbar. Wenn du viel reist, schnell arbeitest und dein Stativ oft umstellst, ist das Traveler Series 2 die beste Wahl. Wenn du maximale Stabilität brauchst und dein Stativ über längere Zeit an einem Ort stehen bleibt, ist das Systematic Giant die Lösung.

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Viel Spaß beim Fotografieren und bis zum nächsten Mal!

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